Annegreth Schärli's kamerunisches Alphabeth
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[bearbeiten] Abenteuer PEP! - Mit Annegreth Schärli in Kamerun
[bearbeiten] Annegreth Schärlis* kamerunisches Alphabet
[bearbeiten] A wie Anfang
Der Anfang eines anderen Lebens. Herausfinden, was, warum, wie viel kostet. Wo es Vollkornbrot zu kaufen gibt. Weshalb es nicht klug ist, allen Menschen die danach fragen, meine Telefonnummer zu geben. Was die Geschichten, die mir aufgetischt werden, bedeuten. Was es mit den Dingen auf sich hat, die ich nicht verstehe. Der Anfang ist gemacht. Und es gefällt mir hier.
[bearbeiten] B wie Bello Spot
Sehr frequentierte Bar an der Market Street. Sie bietet gute Aussicht auf das Geschehen an der Strassenkreuzung und ist umgeben von vielen kleinen Marktständen, an denen es alles Notwendige zu kaufen gibt: Mais, Fisch und Fleischspiesschen vom Grill, Süssigkeiten, Telefonkarten und L&B Zigaretten.
[bearbeiten] C wie Chaos
Allgegenwärtig, jedoch in einer Form, die man nicht eigentlich als Chaos bezeichnen kann, da schlussendlich doch alles irgendwie funktioniert.
[bearbeiten] D wie Dunkel
Wird's ziemlich pünktlich um sieben. Die Beleuchtung der Strassen beschränkt sich auf die Hauptverkehrsachsen. Das Mitführen einer Taschenlampe ist empfehlenswert.
[bearbeiten] E wie Elektrizität
Meist vorhanden. Einen dreipoligen Stecker zu finden ist jedoch eine grössere Unternehmung. Aber nach Douala wollt ich ja sowieso schon lange mal.
[bearbeiten] F wie Freunde
Das einzige, was ich manchmal wirklich vermisse: Meine Freunde. Sowie Gespräche und Sätze, die mit «weisch wie ich mein» abgeschlossen werden können.
[bearbeiten] G wie Grün
Die vorherrschende Farbe in der Region. Alles wächst, spriesst und wuchert. Die Mangos fallen vom Baum direkt in den Garten. Zur Illustration für Leute mit grünem Daumen: Die rekordverdächtige Keimzeit meiner Basilikumsetzlinge vom Samen zum ersten kleinen Grün beträgt 60 Stunden!
[bearbeiten] H wie Hund
Ein äusserst respektiertes und gefürchtetes Haustier. Wobei der Begriff Haustier in diesem Sinne nicht zutreffend ist. Hunde bleiben draussen im Hof. Die Vorstellung, mit einem Hund das Wohnzimmer zu teilen, stösst auf Unverständnis. Wie mein Nachbar so schön sagte: «La maison, c'est pour des hommes. Les animaux restent dehors.» So geht das. Von ihm werde ich demnächst einen jungen Hund übernehmen, der mir in meinem Garten Gesellschaft leisten und mich bei den morgendlichen Joggingrunden begleiten wird.
[bearbeiten] I wie Ich
Annegreth Schärli, geborgen am 17.1.1976, diplomierte Designerin FH/Visuelle Gestaltung. Lieblingsessen: Fisch vom Grill mit Plantains. Lieblingsgetränk: Beaufort Light. Lieblingsbeschäftigung (ortsunabhängig): mit Freunden in einer Bar sitzen, auf die Strasse gucken und plaudern.
[bearbeiten] J wie Jobdescription
In der Zeit von Mai 2007 bis Januar2008 arbeite ich in der Druckerei «Presprint» in Limbe. Meine Aufgabe besteht darin, die «Typesetter», also die Schriftsetzer und Grafiker in grafischen und softwaretechnischen Angelegenheiten zu unterstützen. Die Arbeit mit meinen Studenten ist ausserordentlich erfreulich – letzte Woche wurden die ersten gemeinsam erarbeiteten Flyer gedruckt: Wonderful!
[bearbeiten] K wie Kamerun
Viel hab ich noch nicht gesehen von diesem Land. Aber das kommt schon noch. Die Liste der zu besichtigenden Orte wird täglich länger. Eins kann ich jedoch sagen: Kamerun ist eine Reise wert. Schön ist's hier!
[bearbeiten] L wie Limbe
Eine kleine, adrette Stadt am Meer mit zirka 70'000 Einwohnern. Die Anzahl Einwohner entspricht in etwa der von Winterthur oder Luzern, die gefühlte Grösse jedoch ist wesentlich kleiner, da die Topografie mehr derjenigen eines grossen Dorfes entspricht. Zu kaufen gibt es alles – sogar Emmentaler Käse.
[bearbeiten] M wie Mimbo
Begriff in Pidgin für «Getränk» Im Alltagsgebrauch jedoch Synonym für Bier. Im Gegensatz zu «Sweet Drinks» wie Cola, Sprite etc.
[bearbeiten] N wie NowNow
Pidgin für «sofort» «jetzt gleich» Selten im Gebrauch, da alles seine Zeit braucht und das Leben hier die Leute äusserst selten zur Eile antreibt.
[bearbeiten] O wie One for the road
Das letzte Bier des Abends. Oftmals offeriert vom Whiteman.
[bearbeiten] P wie Pidgin
Verkehrssprache im englischsprechenden Teil Kameruns. Pidgin ist eine eigenständige Sprache, die grundsätzlich sehr nach Englisch klingt. Es aber ganz und gar nicht ist, wie ich festgestellt habe, als ich mit der Methode «écoutez et répetéz» erste Sätze zu lernen begann. Man hüte sich davor, das Pidgin als «bush english» oder «broken english« zu bezeichen.
[bearbeiten] Q wie Quatsch mit Sauce
Manchmal entziehen sich die Dinge und Geschichten hier ganz und gar meinem Verständnis. Es hat sich bewährt, dies zumindest für's Erste dabei zu belassen.
[bearbeiten] R wie Regen
Da ich zum ersten Mal in solch südlichen Gefilden weile und hier zum ersten Mal einen tropischen Regenschauer erlebt habe, war ich vom ersten Platzregen doch ziemlich beeindruckt. Regen auf Blechdach ist laut. Sehr laut. Das Radio hört man nicht mehr, und um sich zu unterhalten, muss man nahe zusammenrücken. Ein grosser Regenschirm und Gummisandalen sind absolut unverzichtbare Accessoires.
[bearbeiten] S wie Stromausfall
Im Arbeitszimmer bei den Schriftsetzern um drei Uhr Nachmittags. Das Licht geht aus, die Bildschirme werden schwarz, die Klimaanlage röchelt. Es wird dunkel und ganz still. Man lehnt sich zurück oder bettet den Kopf auf die Arme und hält ein Nickerchen. Niemand beschwert sich.
[bearbeiten] T wie Töfflitaxi a.k.a. «Bendsikin»
Mein bevorzugtes Transportmittel. Erfrischend und kostengünstig. Ausserdem riskiert man im Gegensatz zum Transport mit Autotaxi nicht, dass unterwegs noch fünf andere Leute zusteigen und man von voluminösen Mitreisenden auf der Rückbank zerquetscht wird.
[bearbeiten] U wie Unternehmung
Um die ganz alltäglichen Dinge auf die Reihe zu kriegen, benötigt es gelegentlich eine richtiggehende Unternehmung. Alles dauert ein bisschen länger als man denkt. Erstens, weil es einfach so ist und zweitens weil ich noch nicht so genau Bescheid weiss, wie man was wann am besten macht. Afrika-Anfängertum eben. Aber da auch ich hier in den Genuss komme, viel Zeit zu haben, kann ich diese Wege und Umwege meist richtiggehend geniessen. Und wie jemand mal so schön gesagt hat: Umwege erhöhen die Ortskenntisse.
[bearbeiten] V wie Vögel
Noch nirgends hab ich so viele verschiedene Vögel gesehen wie hier. Nur schon in meinem Garten zwitschern und flattern bestimmt mehr als zehn verschiedene Spezies herum. Die Vögel ersetzen auch den Einsatz eines Weckers. Im Halbschlaf um sechs Uhr morgens hab ich jeweils den Eindruck, in einer dicht besiedelten Volière zu liegen...
[bearbeiten] W wie Whiteman
Primärbezeichnung für alle Europäer. Der Gruss «hello whiteman» kann bedenkenlos ignoriert oder bei Bedarf durchaus mit «hello blackman» erwidert werden. «To be there on whitemantime» meint, wie könnte es anders sein: Pünktlich erscheinen.
[bearbeiten] X wie ein X für ein U vorgemacht bekommen
Das kann einem gelegentlich widerfahren, wenn man in der Fremde, und mit den Spielregeln des Alltags noch nicht so richtig vertraut ist. Ist aber halb so schlimm. Tomorrow is another day.
[bearbeiten] Y wie Yoghurt
Hausgemacht von der Nachbarin, abgefüllt in Petflaschen. Mit frischen Früchten oder gerösteten Kokosraspeln gemischt besonders lecker.
[bearbeiten] Z wie Zeit
Die Phrase «ich hab keine Zeit» ist mir während den letzen fünf Wochen kein einziges mal zu Ohren gekommen. Zeit ist vorhanden. Die Menschen haben viel Zeit für vieles. Das heisst dann manchmal auch, dass gewisse Dinge später erledigt werden, weil man eben für alles andere auch Zeit hat.
Zu guter Letzt schicke ich ein tropisch-herzliches Dankeschön in die Schweiz an Ariane Curdy, Sandra Witschi, Guy Thomas und Manuel Schoch für ihre klugen Ratschläge, wertvollen Tipps und weisen Worte.
August 2007

